WELCHES BEWEGUNGSMAß BRAUCHT DEIN TIER?
Die Frage „Wie viel Bewegung braucht mein Pferd oder Hund wirklich?“ beschäftigt viele Tierhalter:innen – sei es im Alltag, nach einer Verletzung oder während der Reha. Das richtige Bewegungsmaß ist entscheidend für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Zu wenig Bewegung führt zu Verspannungen, Übergewicht und Muskelschwäche, zu viel oder zu intensive Belastung kann Überlastungen, Gelenkprobleme oder Verletzungen verursachen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du das Bewegungsmaß für Pferd und Hund leicht, mittel und schwer einordnest – praxisnah, alltagstauglich und physiotherapeutisch fundiert.
Warum das richtige Bewegungsmaß so wichtig ist:
EMPFEHLUNGEN DER FN FÜR PFERDE ALS ORIENTIERUNGSHILFE: MEHRSTÜNDIGE BEWEGUNG UND ZEIT IM FREIEN
🐴 Pferde – Empfehlungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN)
Die FN betont, dass Pferde täglich mehrstündige Bewegung benötigen. Ein Minimum von einer Stunde Reiten und einer Stunde Zeit im Auslauf oder auf der Weide wird empfohlen; bei kürzerem Training sollte entsprechend mehr Zeit im Freien eingeplant werden. Besonders wichtig ist dies für Pferde, die nicht kontrolliert bewegt werden können, wie Jungpferde oder Zuchtstuten. Diese benötigen unbedingt täglich mehrere Stunden freie Bewegung.
👉 Weitere Informationen findest du hier:
🔗 Auslauf und Weide für Pferde – FN
EMPFEHLUNGEN DES VDH FÜR HUNDE ALS ORIENTIERUNGSHILFE: FAUSTREGEL MIT INDIVIDUALSPIELRAUM
🐶 Hunde – Empfehlungen des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH)
Der VDH empfiehlt, dass das optimale Bewegungsangebot für Hunde individuell angepasst werden muss. Als Faustregel spricht man von mindestens 2 Stunden Bewegung am Tag. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die den Bewegungsbedarf eines einzelnen Hundes beeinflussen, wie Alter, Gesundheitszustand und Rasse.
👉 Weitere Informationen findest du hier:
🔗 Hunde in Bewegung – VDH
DIE PHYSIOTHERAPEUTISCHE EINORDNUNG FÜR DEIN TIER
Die Empfehlungen der Verbände bieten uns einen wichtigen Hinweis und ein Mindestmaß, doch als Tierphysiotherapeutin schaue ich tiefer. Aus meiner Einschätzung reicht es nicht, einfach zu machen, ohne wenigstens ein grobes Verständnis zu haben. Für eine gesunde Entwicklung und den Erhalt des Bewegungsapparates müssen wir die Intensität der Bewegung bewerten. Aber nicht vor dem Hintergrund was wir denken, sondern was unsere Tiere physiologisch im Stande sind zu leisten – mit mehr oder weniger Anstrengung.
Und hier sehe ich in meiner täglichen Praxis häufig, das zwar die Konzentration nachlässt, aber Menschen ihre Tiere schon als müde wahrnehmen obwohl diese gerade erst warm werden. Andere wiederum bewerten Dinge, die ihnen Spaß machen und „nur mal“ gemacht werden als easy, was wenn es eben nicht regelmäßig geübt wird so auch nicht stimmt. Deshalb möchte ich hier die Definition eines Physiologischen Bewegungsmaßes ergänzen. Es hilft Dir, die Belastung für dein Tier in Leicht, Mittel und Schwer einzuteilen, um Überlastungen zu vermeiden und gezielte Reize zu setzen
PHYSIOLOGISCHES BEWEGUNGSMAß BEIM PFERD IM ALLTAG
Leicht – locker & sanft
- Dauer: ca. 60 Minuten im Schritt, aber auch Trab und Galopp in Reitbahn/ 1-2 h Ausritt im Schritt
- Beispiele: Freilauf, sanftes Longieren, Bodenarbeit ohne Intensität
- Ziele: Gelenkmobilisation, Durchblutung, sanfte Muskelaktivierung, Lymphfluss fördern
Mittel – moderat & aufbauend
- Dauer: ca. 2 Stunden Arbeit, z.B. 1 h Schritt, 30-40 Minuten leichter/mittlerer Trab, bis 20 Minuten Galopp
- Beispiele: Leichte Dressurlektionen, kontrolliertes Auf- und Abtraben, moderate Sprünge bis 60 cm
- Ziele: Muskelkräftigung, Kondition, Gleichgewicht, Koordination
Schwer – intensiv & leistungsfördernd
- Dauer: mehrstündige Arbeit, Wettkampf, z.B. 2 Stunden Schritt, 30 Min Trab, bis 1 h Galopp
- Beispiele: Turniertraining, lange Ausritte, schnelle Richtungswechsel, Sprünge >80 cm
- Ziele: Herz-Kreislauf-Fitness, Muskelaufbau, Koordination
- Hinweis: Nur für fitte Pferde; vorher Aufwärmen und anschließende Regeneration beachten
PHYSIOLOGISCHES BEWEGUNGSMAß BEIM HUND IM ALLTAG
Leicht – locker & sanft
- Dauer: 2-3x täglich 20–40 Minuten ruhiger Spaziergang
- Beispiele: Lockeres Erkunden, leichte Mobilitätsübungen, kurze Spiele
- Ziele: Lockerung der Muskulatur, Durchblutung, mentale Beschäftigung
Mittel – moderat & aufbauend
- Dauer: 2-3x täglich 30–60 Minuten zügiges Gehen oder leichtes Jogging/ langer Spaziergang 1,5-2h
- Beispiele: Kontrolliertes Apportieren, Mantrailing, Agility-Einstieg, kurze Sprünge
- Ziele: Herz-Kreislauf-Training, Muskelkräftigung, Koordination
Schwer – intensiv & leistungsfördernd
- Dauer: 45–90 Minuten intensives Training oder Arbeit/ langer Spaziergang 2-3h
- Beispiele: Agility, Zughundesport, lange Mantrailing-Einsätze, schwieriges Gelände
- Ziele: Ausdauer, Muskelkraft, Koordination, geistige Auslastung
- Hinweis: Aufwärmen, Pausen, Untergrundwahl und ggf. physiotherapeutische Betreuung beachten
PRAKTISCHE TIPPS FÜR TIERHALTERINNEN
FAZIT – WIE WÄRE ES MIT EINEM BEWEGUNGSPLAN?
Das richtige Bewegungsmaß ist entscheidend für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Pferd und Hund. Leichte Einheiten fördern Lockerung und Durchblutung, mittlere Einheiten trainieren Muskeln, Kondition und Koordination, schwere Einheiten verbessern Ausdauer, Kraft und geistige Fitness. Mit einem bewussten, alltagsgerechten Bewegungsplan schützt du deine Tiere vor Überlastung, unterstützt ihre Regeneration und erhöhst ihr Wohlbefinden langfristig.
Du möchtest mit Deinem Tier mehr aktiv werden, aber Deine Kreativität fehlt und so macht ihr immer dasselbe? Vielleicht möchtest Du dann mit Deinem Tier in meinen Kursen vorbeischauen und dort Anregungen für Euren Alltag mitnehmen.
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