Ohne Muskulatur – ohne Muskelgesundheit – geht im Körper und auch mit dem Körper gar nichts. Die Muskulatur ist weit mehr als nur sichtbare Stärke oder ein ästhetisches Merkmal. Sie ist eines der wichtigsten Systeme im Körper – für Bewegung das wichtigste System – welches maßgeblich zu Gesundheit, Beweglichkeit und Wohlbefinden beiträgt – sowohl beim Menschen als auch bei Tieren. In diesem Beitrag wollen wir beleuchten, warum die Muskulatur so essenziell ist und welche Rolle sie für unsere Gesundheit spielt.
Muskeln bewegen den Körper von A nach B, führen Bewegungen aus – aktive und passive [Verdauung, Atmung, Herz,…], stabilisieren den Körper und schützen die inneren Organe. Sie brauchen und verbrauchen Energie, sowohl in Bewegung als auch in Ruhe. Und sie unterstützen den Körper bei der Wärmeregulation.
Muskel-Entwicklung
Der Erhalt von Muskelgesundheit, die Entwicklung von Muskulatur braucht immer das Wechselspiel von Trainings-Reiz und Regenerationsphase. Dabei muss der Reiz nicht speziell im Training gesetzt werden, auch der Alltag sofern er anspruchsvoll und abwechslungsreich mit viel Bewegung gestaltet wird setzt Trainingsreize. Immer dann, wenn der Körper vermehrt etwas leisten muss, das er sonst weniger getan hat. Von vermehrten Wiederholungen einer bestimmten Bewegung oder dem Krafteinsatz beim Halten, Tragen, Schieben, Ziehen. Je nach Anspruch können verschiedene Fähigkeiten wie Ausdauer, Kraft, Geschwindigkeit traininert werden – aber immer ist es die Muskulatur, deren Entwicklung uns diese Fähigkeiten erst ermöglicht.

Verschiedene Muskelgruppen und -arten aber auch Fasertypen fangen unterschiedliche Aufgaben/Erfordernisse ab. So wird beim Training von Kraft vermehrt die fleischige/bauchige Muskulatur trainiert – Ausdauer hingegen erfordert und stärkt die tieferliegenden flacheren Muskelschichten, welche vermehrt auch statische und stabilisierende Funktion haben.
Der eigentliche Zuwachs an Muskulatur entsteht nur durch regelmäßige Wiederholung von Bewegung und Belastung. Aber die Zubildung von Muskeln am Körper selbst, wird vom Körper erst nach den Trainings-Einheiten in den Regenerationspausen vorgenommen.
Problematiken im Bereich Muskulatur
Das bekannteste Phänomen ist der Muskelkater, welcher durch Schmerzen im Muskel bei Bewegung oder Druck gekennzeichnet ist. Hier handelt es sich um kleinste Mikrotraumen der Muskulatur, kleine Risse innerhalb der kleinsten Muskelfasern – aber nicht zu verwechseln mit einem Muskelfaserriss. Der Muskelkater tritt auf, wenn Muskulatur über ihre Leistungsgrenze hin eingesetzt, gefordert und belastet wurde. Der Körper registriert den Schmerz und die Zellen arbeiten aktiv an der Regeneration der Muskulatur. In diesem Moment des „Neu-Aufforstens“ wächst auch die Muskulatur bzw. bildet sich vermehrt aus – weil der Körper beim nächsten Mal in der Lage sein will, dem Erfordernis wieder/besser standzuhalten.
Zu viel Muskelkater, Überlastung der Muskulatur und fehlende Trainingspausen zur Regeneration können zu Bewegungseinschränkungen, Kompensationshaltungen und schweren Muskelschäden führen. Aber von einer stehenden Trainingspause ohne Bewegung ist ebenfalls abzuraten, um die Geschmeidigkeit zu erhalten, Verklebungen und Myogelosen zu vermeiden. Ich bin überzeugt, wer sich in der Phase „Muskelkater“ trotz Schmerzen zumindest moderat in Bewegung hält, der regeneriert schneller und beleibt langfristig gesehen fitter. Und erhält seine Muskelgesundheit länger.
Kompensationshaltungen hingegen, aufgrund der Entlastung von überlasteten, schmerzenden Strukturen führen mit Sicherheit zu Muskelproblemen, denn zum einen arbeitet die kompensierende Muskulatur über ihr physiologisches Maß hinaus und zum anderen verändert sich die Belastung auf den Gliedmaßen und Gelenken. Die physiologische und dafür ausgelegten Bewegungs- und Stoß-führenden/federnden Strukturen können in diesem Belastungswinkel ihrer Funktion nicht mehr nachkommen, schlimmer noch sind selbst vermehrter Abnutzung unterlegen. .
Gelenkprobleme/Arthrose sind doch kein Muskelproblem?!
Daraus erklärt sich auch, wieso Gelenkprobleme wie Arthorsen sehr wohl Probleme sein können, welche mit Muskulaturproblemen in Verbindung stehen oder gar durch diese – genauer gesagt durch die Kompensationshaltung während Muskelproblemen – ausgelöst werden.
Der Zusammenhang besteht allerdings auch anders herum, denn Gelenkprobleme können auch Einfluss auf die Muskelgesundheit nehmen. Zum Beispiel dann, wenn sie dazu führen, das Bewegung stark reduziert bis vermieden wird. Fehlende Bewegungsfähigkeiten/-qualitäten, ob durch Muskulatur oder Gelenke bedingt, wirken sich immer auf die körperliche Aktivität und Motivation zur Aktivität aus.

So oder so gilt: Ohne gesunde Gelenke, trainierte Muskulatur und regelmäßige Traningsreize sind Probleme im gesamten Bewegungsapparat vorprogrammiert.
Warum eine gesunde Muskulatur – Muskelgesundheit so entscheidend ist
Verbesserte Lebensqualität: Mehr Kraft, Beweglichkeit und eine stabilere Haltung wirken sich unmittelbar positiv auf das Wohlbefinden aus. Man fühlt sich vitaler, fitter und weniger anfällig für Krankheiten. Die Bewegungsqualität ist eng mit der Bewegungsfreude verknüpft.
Prävention von Verletzungen und Beschwerden: Gut ausgeprägte Muskeln stabilisieren die Gelenke, reduzieren Fehlbelastungen und beugen Schmerzen vor. Eine funktionsfähige Muskulatur ist essenziell, um Stürze, Verschleißerscheinungen oder Haltungsschäden zu vermeiden.
Schnellere Genesung bei Verletzungen: Bei Verletzungen, Operationen oder Erkrankungen ist eine vorher ausreichend trainierte Muskulatur eine wichtige Grundlage für den Heilungsprozess. Sie unterstützt die Regeneration, verringert die Gefahr von Muskelatrophie und fördert die Mobilität.
Erhalt der Selbstständigkeit im Alter: Mit zunehmendem Lebensalter nehmen Muskelmasse und Kraft ab (Sarkopenie). Wer aktiv bleibt und gezielt Muskeltraining betreibt, erhält seine Beweglichkeit und Unabhängigkeit viel länger.
Muskeltraining ist Alles?!
Muskulaturvorsorge ist nicht einfach Muskeltraining, das greift viel zu kurz. Die Muskulatur besteht aus vielen verschiedenen kleinen, großen, kurzen, langen, dicken, schmalen, geraden, queren Muskeln – jeder hat seine Aufgaben und arbeitet zum Teil mit unterschiedlichen anderen Muskeln für eine Aufgabe zusammen. Dieser Aufbau ist sehr komplex und unbedingt notwendig, um die Vielzahl an verschiedenen Bewegungen und Abläufen im und außerhalb des Körpers zu ermöglichen.
Das Wichtigste für alle Muskeln ist ihre Versorgung mit Nährstoffen und die Fähigkeit sich anzuspannen und zu entspannen. Nur so wird Bewegung möglich – denn eine Bewegung erfordert zwar das Anspannen von Muskeln aber auch immer das Entspannen von deren „Gegenspielern“ [denjenigen Muskeln, die in die entgegengesetzte Richtung bewegen].

Die Vorsorge muss also alle beteiligten Muskeln mit in ihren Funktionen in den Blick nehmen, „Wird ein Muskel zu stark – oder ist der Gegenspieler zu schwach?“, „Lässt der gegenüberliegende Muskel die Bewegung überhaupt zu – oder ist er vielleicht verkürzt?‘, ‚Habe ich verschiedene Muskelgruppen im Training und Alltag bedacht und nötig, oder sind es immer dieselben?‘
Beispiel 1: Ein Pferd mit einem Senkrücken, wird seinen Rücken niemals nur durch Rückenmuskeltraining nach oben holen, wenn zugleich die von unten stabilisierende Bauch- und Brustmuskulatur fehlt.
Beispiel 2: Die Ursache für ein steil gestelltes Becken beim Hund gilt es individuell herauszufinden, möglich wäre z.B. vermehrt angespannte Bauchmuskulatur, verkürzte Hinterbein-Muskulatur, Dehnung der Lendenmuskulatur durch Schmerzen in diesem Bereich, Genetische Vorprägung, Hüftprobleme, Kniegelenkbeschwerden, Kompensation auf die Hinterhand bei Vorhandproblematik
Auf die Vorsorge zur Muskelgesundheit kommt es an
Meine Devise für Muskelgesundheit ist, den Bewegungsapparat der Tiere regelmäßig zu checken, um Probleme frühzeitig zu erkennen, ihre Ursachen zu erforschen und somit eine Lösung zu finden, die über das Beheben der Akutblockade hinausgeht. Denn ganz ehrlich, das kennst Du doch bestimmt auch, eine Massage oder ein Physiotherapie-Termin schenkt Dir auch keine langfristige Bewegungsqualität. Dazu braucht es schon ein bisschen mehr und vor allem die richtige Strategie, die für Dich und Dein Tier funktioniert und umsetzbar ist.
Und abschließend gesagt, für alle gesunden empfehle ich: Bewegung, Bewegung, Bewegung mit Abwechslung, Abwechlsung, Abwechlsung
Tipp: Lies auch mal rein in den Beitrag: Warum Gesundheit Bewegung braucht.



