In meiner Praxis arbeite ich, in Absprache mit den behandelnden Tierärzten, begleitend zur Kortisontherapie oder als Alternative. Es ist und bleibt von Fall zu Fall individuell zu entscheiden, welche Behandlungsoptionen infrage kommen und wie die Therapie gestaltet wird. Wichtig ist allerdings, das Kortison ein häufig angewandtes und schnell verschriebenes Medikament ist, welches physiologische Wechselwirkungen und Nebenwirkungen haben kann, die je nach Gesundheitszustand des Tieres kritisch abzuwägen sind.
Was ist Kortison?
Kortison, auch als Cortison geschrieben, ist ein Hormon der Gruppe Glucocorticoide. Es wird vom Körper in der Nebennierenrinde [=Cortex] als inaktive Form produziert und schließlich in die aktive Form zu Cortisol umgewandelt. Es wird mittlerweile auch künstlich hergestellt, z.B. als Spray, Creme, Tablette oder Spritze. In diesem Fall ist es verschreibungspflichtig, d.h. es kann nicht ohne Rezept gekauft werden.
Wie bzw. wann wirkt es?
Es wird vermehrt bei Stress oder in Stress Situationen freigesetzt, neben Adrenalin und Noradrenalin ist es ebenfalls als Stresshormon bekannt. Es erhöht die Herz-, Muskel-, Gehirnaktivität sowie auch die Körpertemperatur. Zudem reguliert es den Blutkreislauf, den Zuckerstoffwechsel, die Immunabwehr und den Wasserhaushalt. Darüber hinaus wirkt es entzündungshemmend und verringert Schmerzempfinden.
Wozu wird es verschrieben?
- Hauterkrankungen/Ausschlägen
- Allergien/ Insektenstichen
- Autoimmunerkrankungen
- Asthma/ chronischer Bronchitis
- Gelenkproblemen/ Arthrose
- Schmerzen
- entzündlichen Prozessen
- Nervenleiden
- und noch in vielen weiteren Situationen
Ist es immer die richtige Idee?
Kurz und knapp: Nein. Manchmal ist es zu früh, zu stark, zu unverträglich – denn es verteilt sich je nach Präparat im Körper und führt somit nicht gerade selten zu unerwünschten Nebenwirkungen. Aber es ist einfach, wenig aufwändig: eine Spritze, Tabletten, Cremes statt Zeit für regelmäßige Physiotherapie einzuplanen. Cremes können z.B. zu Reizungen und Pilzinfektionen führen, da das Immunsystem durch Kortison herunterreguliert wird und das ist eigentlich auch die Absicht, um Entzündungen oder Entzündungsverläufe zu reduzieren.
Welche Nebenwirkungen können vorkommen?
Die folgenden Punkte können auftreten, sind jedoch bei Weitem nicht vollständig. Da Kortison sehr vielfältige Aufgaben im Körper übernimmt, jeder Körper unterschiedlich stark reagieren kann und auch die Dosis ein entscheidender Faktor ist, kann die Liste nur einen groben Einblick in mögliche Auswirkungen geben.
- Diabetes
- Nierenschäden
- Gewichtszunahme
- Bluthochdruck
- Osteoporose/ Knochenschwund
- erhöhtes Infektionsrisiko
- Magengeschwüre
- Herzprobleme
- Stimmungsschwankungen
- Wassereinlagerungen
- Unruhe
- Herzrasen
- Krämpfe/ Krampfanfälle
- Muskelprobleme
- Pilzbesiedlungen
Wichtige zu beachtende Hinweise!
Jede Einnahme sollte nur auf tierärztlichen Rat, nur mit genauer Dosierung und engmaschiger tierärztlicher Begleitung erfolgen. Eine langfristige Einnahme ist zu vermeiden, da sie keine gesunde Dauerlösung ist und daher sollte jede Einnahme nur solange erfolgen wie unbedingt notwendig. Hierbei ist zu beachten, das die Präparate nicht ohne Rücksprache mit dem Tierarzt selbstständig abgesetzt werden sollten, da das Risiko hoch ist, die behandelte Problematik zu verstärken, wenn die Einnahme zu kurz erfolgt. Durch die Einwirkung auf verschiedenste Stoffwechselprozesse sollten Sie Ihr Tier unbedingt im Auge behalten, auf kleinste Nebenwirkungen achten und diese notieren. Zudem ist anzuraten bei auftretenden Nebenwirkungen umgehend einen Tierarzt zu kontaktieren für eine direkte Rücksprache.
Alternativen aus der Therapie
Je nach Beschwerdebild und Diagnose ist individuell eine begleitende Unterstützung oder eine echte Alternative möglich. Beides kann sinnvoll sein und auch ineinander übergehen. Alternativen zur Schmerztherapie, Arthrosebehandlung und Entzündungshemmung können z.B. Massagen, Lymphdrainagen, sanfte Mobilisationen, Laserlicht, Akupunktur, gezielte Bewegungsübungen sein. Bei Sensitivitäten oder Hauterkrankungen können Nahrungsanpassung, aber auch Nahrungsergänzungen und Kräuter eine alternative Lösung darstellen.

